27 Hexagone – modulare Fachlichkeit als Grundlage für Wartbarkeit und Weiterentwicklung von PSX

Komplexe Kreditkartenmanagementsysteme müssen über viele Jahre hinweg fachlich erweitert, technisch gepflegt und an neue Anforderungen angepasst werden. Entscheidend ist deshalb nicht allein, welche Funktionen ein System heute bereitstellt, sondern auch, wie beherrschbar Änderungen in Zukunft bleiben. PSX verfolgt hierfür einen modularen Ansatz – 27 fachlich abgegrenzte Hexagone bilden klar definierte Verantwortungsbereiche ab und werden durch zentrale Werkzeuge und Komponenten ergänzt.

1. Warum 27 Hexagone?

Die Zahl 27 ist nicht nur ein Wert. Jedes Hexagon steht für einen klar abgegrenzten fachlichen Bereich. Programme werden dem Hexagon zugeordnet, dessen fachliche Aufgabe sie erfüllen. Dadurch entsteht eine Struktur, in der Funktionen nicht beliebig über das Gesamtsystem verteilt werden, sondern einer definierten fachlichen Verantwortung folgen.

Diese Abgrenzung erleichtert Analyse, Entwicklung und Pflege. Wer eine fachliche Änderung untersucht, kann zunächst den betroffenen Verantwortungsbereich und dessen Schnittstellen betrachten, statt das Gesamtsystem als ungeteilten Block behandeln zu müssen.

2. Einheitliches Grundprinzip – unterschiedliche Fachlichkeit

Die einzelnen Hexagone unterscheiden sich in ihrer fachlichen Aufgabe, folgen aber einem gemeinsamen Grundprinzip. Benötigte Informationen aus anderen Hexagonen werden über definierte Kommunikationswege bezogen. Abhängig von Aufgabe und Verarbeitung kann die Kommunikation beispielsweise über MQ oder dateibasiert erfolgen.

Die fachliche Trennung bedeutet allerdings nicht, dass jedes Hexagon isoliert arbeitet. Vielmehr werden Abhängigkeiten bewusst über definierte Schnittstellen abgebildet. Dadurch bleibt nachvollziehbar, welche Informationen ein Modul benötigt und welche Ergebnisse es anderen Bereichen zur Verfügung stellt.

3. Technische Entkopplung

Ein Hexagon kann grundsätzlich individuell auf einer eigenen Maschine betrieben werden. Die fachliche Struktur ist damit nicht zwingend an eine einzige technische Ausführungsumgebung gebunden. Diese Entkopplung schafft Spielraum für Betrieb, Skalierung und technische Weiterentwicklung, ohne dass die fachliche Modulstruktur aufgegeben werden muss.

4. Zentrale Dienste und ergänzende Komponenten

Neben den 27 Hexagonen nutzt PSX zentrale und ergänzende Komponenten. Wiederkehrende oder systemweit benötigte Funktionen werden damit nicht in jedem fachlichen Modul erneut implementiert.

  • PIT/SER – Hexagon Independent Services: stellt zentrale Services bereit, die von mehreren Bereichen des Systems genutzt werden können.
  • PIT/OMI – Online Message Interface: unterstützt die Online-Kommunikation und die Anbindung bzw. Verarbeitung von Nachrichten.
  • PIT/SEC – Security Services: steuert den zentralen Login- und Berechtigungsprozess innerhalb von PSX.
  • PCP – Payment Card Portal: ergänzt PSX um eine eigene Portal- bzw. Oberflächenkomponente für die Nutzung fachlicher Funktionen.

Der Vorteil dieser Aufteilung liegt darin, dass zentrale Funktionen an einer Stelle gepflegt werden können, während die fachlichen Hexagone ihre jeweilige Aufgabe erfüllen.

5. Wartbarkeit durch fachlich begrenzte Änderungsräume

Für die Wartbarkeit ist entscheidend, dass eine Änderung nicht automatisch das gesamte System betrifft. Ist die fachliche Verantwortung eindeutig einem Hexagon zugeordnet, können Analyse, Implementierung und Tests zunächst auf diesen Bereich und die betroffenen Schnittstellen konzentriert werden.

Praxisbeispiel: Änderung im IN²-Hexagon

Die Zinsberechnung ist im PSX/IN² Hexagon fachlich vorhanden. Wird dort beispielsweise eine neue Berechnungsregel aufgrund einer EU-Verordnung implementiert, liegt der Schwerpunkt der Umsetzung im PSX/IN² Hexagon. Auch die fachlichen Tests können gezielt auf PSX/IN² und die von der Änderung betroffenen Schnittstellen ausgerichtet werden.

Damit wird nicht gesagt, dass niemals systemübergreifende Regressionstests notwendig sind. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass der Änderungsumfang zunächst klar eingegrenzt und die erforderliche Testabdeckung aus den tatsächlichen Abhängigkeiten abgeleitet werden kann. Das reduziert unnötige Zeit bei Analyse und Test und macht Änderungen besser beherrschbar.

6. Erweiterungen bleiben überschaubarer

Dasselbe Prinzip gilt bei fachlichen Erweiterungen. Neue Anforderungen können einem bestehenden Verantwortungsbereich zugeordnet oder über eine klar definierte zusätzliche Komponente ergänzt werden. Dadurch bleiben Auswirkungen auf andere Bereiche besser nachvollziehbar.

Ein begrenzter Änderungsraum kann Entwicklungs-, Analyse- und Testaufwände reduzieren. Entscheidend ist dabei nicht allein die Modularität, sondern das Zusammenspiel aus fachlicher Abgrenzung, definierten Schnittstellen, zentralen Services und einer nachvollziehbaren Teststrategie.

7. Modularität allein ist nicht genug

Eine modulare Architektur garantiert nicht automatisch gute Wartbarkeit. Sie schafft jedoch die Voraussetzung dafür, dass ein System dauerhaft beherrschbar wird. Entscheidend ist die Verbindung aus klaren Verantwortungsbereichen, dokumentierten Schnittstellen, qualifizierter Entwicklung, reproduzierbaren Tests und kontrollierten Release-Prozessen.

Gerade bei langfristig eingesetzten Zahlungsverkehrssystemen ist diese Kombination entscheidend: Nicht jede neue Anforderung sollte eine Änderung am Gesamtsystem erzwingen. Fachlich abgegrenzte Module helfen dabei, Änderungen dort vorzunehmen, wo sie tatsächlich entstehen.

Fazit

Die 27 Hexagone von PSX bilden keine bloße technische Aufteilung, sondern eine fachliche Struktur. Jedes Modul besitzt einen definierten Aufgabenbereich, nutzt klar beschriebene Kommunikationswege und greift bei Bedarf auf zentrale Dienste und ergänzende Komponenten wie PIT/SER, PIT/OMI, PIT/SEC und PCP zurück. Dadurch können Änderungen und Erweiterungen gezielter analysiert, umgesetzt und getestet werden.

Für die langfristige Weiterentwicklung bedeutet das vor allem eines: Komplexität wird nicht beseitigt, aber in beherrschbare fachliche Bereiche zerlegt.